Um drei Uhr wache ich auf und muss eigentlich pinkeln. Aber es regnet … hätt ich realsiert, dass um sechs Uhr aus allen Löchern schifft, hätte ich meine Schifferei auch um drei Uhr umgesetzt.

Im strömenden Regen stehe ich also auf und quäle mich am Hund zerrend zum Klo.

Resultat: Ich naß, Hund naß … aber wir können nochmal im Zelt uns warm knuddeln bevor es zum Aufstehen geht. Ich stehe also auf, mache mir einen Kaffee und genieße diesen bei eine Kaffee auf der Stoßstange sitzend – aber trocken, weil die Heckklappe Schutz bietet. Wie schön, dass den Campingkocher keine Regen in seiner Funktion einschränkt. 

Meine Copilotin steht pünktlich um 0820 parat. Es gibt definitiv schöneres als im Regen noch ein Zelt abzubauen, hilft aber nix und wir meistern das finale Packen und stehen um 0902 an der Rezeption.

Ich danke während des Auscheckens für den schönen Aufenthalt und diesen liebevollen Platz. Mit gegenseitig besten Wünschen trennen sich unsere Wege. 

Derweil hat meine Copilotin den Boardcomputer geupdatet und unser neues Ziel eingegeben: Glaskogen Naturreservat. 550 km. Leider beklagt unser britisches Raumschiff Druckverlust im rechten Heck. Also steuern wir erstmal eine Tanke an und machen unser Raumschiff startklar. 

Nächster Stop sollte eigentlich ein McDonalds auf der E4 sein. Da wir aber gefühlte 150.000 Meilen über Landstraßen und Inlandsautobahnen im Lemmingestyle gondeln dauert es auch zwei Stunden, bis wir endlich Frühstück bekommen.

Aber trotz der atmosphärischen naßen Verhältnisse und bei knapp vorgegebener Geschwindigkeit ist das Fahren sehr angenehm.

Am Vännern-See steigt die Temperatur auch mal über 13°C. Bei Sjötorp am Götakanal wollen wir einen Kalle-Stopp machen. Leider – naja, war eigentlich auch klar, dass es sich nicht um einen verschlafenen Seeort handelt sondern um einen touristischen Hotspot – verlieren wir wertvolle fünf Minuten.

Carlson kommt bei der nächsten verschlafenen Siedlung dann doch raus. Und weiter geht es. Inzwischen hat sich das Wetter geklärt, bei schönem  Sonnenschein und herrlichen 20°C fliegen wir über Kristinehamn Richtung Oslo. Krass, Oslo ist nur 235 km von hier entfernt. In diesem Teil von Schweden war ich noch nie.

Bei Ärjång verlassen wir die Autobahn. Die Ausläufer der Berge werden spürbar. Und das Fahren wird zum absoluten Highlight. Wir fliegen mit deutlich mehr als der erlaubten Geschwindigkeit über die Landstraßen. Vor uns eröffnen sich Landschaften von Wiesen und Ackerland soweit das Auge reicht um dann nach von einem herrlichen Wald-/Bergpanorama. Und so geht es in das Nirgendwo von Glaskogen. Bei Rage against the machine fliegen wir über die Achterbahn von Landstraße. Die Kuppe erreicht stürzen wir nach unten. Es ist – wie bereits erwähnt – ein herrliches Fahrgefühl … geile Scheisse!

Wir sind da … 1720 und wir stehen vor dem Infocenter des Naturreservates und Rezeption unseres nächsten Campingplatzes. Alles läuft glatte und die haben einen Shop hier … und Duschen … 

„It‘s Not good, it‘s Not bad, it‘s just different.

29 ist unsere Platznummer. Ok, hier sieht alles nicht so persönlich aus. Aber ist halt einfach anders als Hättaboda. Der Campingplatz steht mitten im Wald. Wir fahren zu unserer Nummer, docken an, und laden aus. Endlich ein Bierchen – dachte ich. Meine Copilotin erklärt sich bereit, Carlson auszuführen, wenn ich derweil alles aufbaue. Sie will duschen und das tut sie auch, nachdem sie Kalle ausgeführt hat. 

Eine Stunde später: Ich habe es genossen, zu sitzen und die Landschaft zu geniessen, Bier zu trinken und ein wenig zu telefonieren. Und dann frohlockt es aus dem Wald „AAAAAHHHHH, ist das SCHÖÖÖÖHHHN! Ein heiße Dusche nach SIEBEN TAGEN UND ZWÖLF STUNDEN“. Aha, denke ich mir, meine Copilotin wurde die Dusche in Principessa zurückgewandelt. Nachdem Abendessen gehe ich dann auch duschen und werde von Pilotin nicht in eine Principessa gewandelt, aber ich genieße es ebenfalls seeeeeääähr.

Zurück am Zeltplatz machen wir an unserer Feuerstelle mit Betonfeuer Pläne für den nächsten Tag, bevor wir ins Bett gehen. 

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