Die Nacht von Montag auf Dienstag war kalt. Schon beim morgendlichen Pipigang – sowohl für mich als auch Carlson – muss ich feststellen, dass es ihm nicht gut geht. Er ist zwar aufmerksam und brauchbar gelaunt, aber die stets senkrecht stehende Rute hängt senkrecht nach unten – und da wird sie den Rest des Tages auch hängen bleiben.

Frühstücken tut er, ok, solange der Beagle frisst, ist alles noch im grünen Bereich. Carlson hat sich wohl gestern, naß wie er war, auf der Kanutour erkältet. 

Also wird er in Decken auf dem Campingstuhl festgetüddelt und ich schreibe meinen Bericht über das Schwarzwildgatter für den Beaglebrief.

Danach sehe ich zu, dass der Hund warm bekommt und sich lösen kann. Also auf zu dritten White-Ribbon-Runde, die uns durch Kiefern- und Birkenwälder führt. Carlson ist ganz aufgeregt, denn überall haben die Schweine den Boden durchpflügt und so gibt es unzählige Fährten von denen eine besser als die andere riecht. 

Ich schleife den völlig passionierten Beagle (nach dem Schwarzwildgatter-Ausflug ein sehr begrüßenswertes Verhalten) durch den schwedischen Bösch. Allerdings bleibt die Rute während des gesamten Spaziergangs konsequent Richtung Boden gerichtet. 

Und dann leuchtet es Gelb vom Boden, Wahnsinn, Pfifferlinge. Ein Plan für den Tag steht … nach dem Frühstück Pilze sammeln gehen.

Auf nach Hause, Principessa hat ihre Erbse verlassen und so machen wir gemeinsam Frühstück, tüddeln den Hund ein, bevor es für mich und Carlson in den Wald zu den Pfifferlingen geht.

Wir beide völlig konzentriert auf den Boden, Carlson mit der Nase, ich mit den Augen, wird die Ausbeute der Pfifferlinge nur um einen Steinpilz erweitert, aber alles besser als keine Pilze.

Am Platz angekommen, hat Kira zwischenzeitlich ihr Buch fast leergelesen und wir machen einen Mittagssnack. Kira verzichtet auf das Vergnügen, frische selbstgepflückte Pilze zu essen. Ich denke, sie traut dem Thema „selbstgepflückt“ nicht und hält es für besser die Stellung zu halten, sollte ich an einer Pilzvergiftung dahin scheiden.

Ich bin froh, weil ich nicht teilen muss. Im Campingkocher werden die Pilze mit Knoblauch, Dill und Ei angerührt. Es ist für mich ein purer Luxus und ein kulinarisches Highlight. Ich bin äusserst zufrieden.

Kiras Mobiltelefon ist seit gestern Abend leer, an der Reception darf sie es ausnahmsweise laden. Ich lege mich inzwischen an unseren kleinen Strand und schlafe eine Runde.

Nachdem Aufwachen und ein wenig Korrespondenz muss auch ich feststellen, dass die Akkuleistung meiner Digitals rapide sinkt. Ok, fahren wir einkaufen und laden unsere Mobilgeräte. In Tingsryd gibt es einen etwas größeren Supermarkt, mit – zu meiner Freude – einem Krabbenkühlschrank… Abendessen wieder gesichert.

Zum Abendessen gibt es heute Salat – für mich als Krabbensalat, gereicht mit Polarbrot und als Hauptgang gegrillte Würstchen mit Knäcke. Wunderbar.

Dann wieder Routine: Spüleimer und Müll packen, vorbei am Klo zur Küche, spülen, Müll wegbringen, Wasser pumpen und zurück zum Zeltplatz.

Nun, die Haare habe ich vor zwei Tagen gewaschen, es wäre also Zeit für ein wenig Körperhygiene … einmal Baden. Kira lacht sich schon schlapp, weil ich bei dieser Kält baden wolle, es vermutlich wohl nicht schaffen würde. Bewaffnet mit Mobiltelefon (ist ja jetzt wieder geladen) wartet sie darauf, dass ich beim Baden verkacke. Angesicht der Tatsache, dass ich bis auf die Unterhose nackig ins Bad steige, verzichtet sie auf filmen mit den Worten „Nein, ich will meine nackte Tante nicht auf meinem Telefon“ – gut für mich. Ich wollte schliesslich auch nicht nackig auf ihrem Telefon sein. Nachdem ich also ein kaltes Bad mit Ökologischer-Seifen-Reinigung inklusive Haarewaschen hinter mir habe, ist mir schön warm. 

Bei Tee und kladdigem Tigerkaka (Baumkuchen) quatschten wir ein wenig und liegen früh im Bett. Der Plan vielleicht einen Film zu streamen geht für mich in Ermangelung von Akkuleistung leider nicht auf. Also schreibe ich analog meinen Reisebericht. Gute Nacht.

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